Joseph Ludwig Colmar (1760-1818)

Bischof von Mainz 1802-1818

 

Mit der Säkularisation 1803 ging das alte Erzbistum und Kurfürstentum Mainz nach den Folgewirren der französischen Revolution unter. Politisch bedeutungslos und geistig und materiell völlig verarmt wurde durch Napoleon auf der linken Rheinseite ein neues Bistum Mainz in den Grenzen des Departements Donnersberg gegründet. Eigenmächtig ernannte die französische Regierung den elsässischen Bürgersohn Joseph Ludwig Colmar zum Bischof des neuen Bistums.

 

Colmar, 1760 in Straßburg geboren, hatte sich mit 20 Jahren zum Priestertum entschieden. Als junger Priester und verfolgter, eidverweigernder Untergrundseelsorger musste er in seiner Heimatstadt die blutigen 90er Jahre der revolutionären Schreckensherrschaft erleben. Nach seiner Ernennung durch Napoleon und der Bestätigung durch den Papst erhielt Colmar am 24. August 1806 in Paris die Bischofsweihe. Der neue Bischof kam in ein konturloses Bistum, ein geschocktes und desolates Mainz. Auch das religiöse Leben lag am Boden, der Dom war durch die Kriegsfolgen zerstört und nicht brauchbar.

 

Die Mainzer waren mit dem neuen Bischof zunächst nicht einverstanden, da sie in ihm einen Günstling Napoleons vermuteten. Im Gegensatz zu seinen adligen Vorgängern mit ihrem prunkvollen Auftreten als Kurfürsten wurde der bescheidene Bürgersohn aus Straßburg von den Mainzer Bürgern als hergelaufener „Bettelbub“ verspottet und ihm das Leben schwer gemacht. Vom Glanz des „Goldenen Mainz“ war seit dem Bombardement 1793 nichts mehr übrig. Wahlspruch von Bischof Colmar: „Caritas Christi urget nos“ (Die Liebe Christi drängt uns).

 

Den vom Abbruch bedrohten Mainzer (und auch Speyerer) Dom konnte Bischof Colmar durch Intervention bei Napoleon retten und 1804 für den Gottesdienst notdürftig wieder herstellen. Es folgte die Neuorganisation der Pfarreien und die Gründung des Priesterseminars im ehemaligen Augustinerkloster. Aus dieser Schule gingen große Theologen und Bischöfe hervor, die für die Freiheitsbewegung und Erneuerung des deutschen Katholizismus im 19. Jahrhundert von großer Bedeutung waren. Colmar war vor allem ein vorbildlicher und einsatzfreudiger Seelsorgebischof, der über seine Zeit hinaus Maßstäbe gesetzt hat. Alljährlich hielt er im Dom Fastenpredigten. In unzähligen Firmungs- und Visitationsreisen trat er in engen Kontakt mit Klerus und Gläubigen, den er in einem ausgedehnten Briefverkehr fortführte. Die Volksfrömmigkeit wurde wieder belebt, das Große Gebet und Fronleichnamsprozessionen wieder eingeführt. Während der Kriegs- und Seuchenjahre 1808-09 und 1813 hat sich der Bischof vor seinem ganz persönlichen Seelsorge- und Caritaseinsatz nicht gescheut. 1807 erfolgte die Bestätigung des Instituts der Englischen Fräuleins, deren Schule noch heute in Mainz existiert.

 

Sein bleibender, hoher persönlicher Einsatz für das Bistum und die Art, wie er in schweren Zeiten mit seinem Volk ging und litt, machten ihn bald beliebt und geachtet.Als Bischof Joseph Colmar am 15. Dezember 1818 starb, herrschte tiefe Trauer im ganzen Bistum, weil es wusste, dass es einen guten Seelsorger als Bischof verloren hatte. Was der Bischof für das Bistum geleistet hatte, war bald vergessen; unvergessen bleibt jedoch die Rettung des Mainzer Doms und die Wiederbelebung

des kirchlichen und religiösen Lebens in schwerer Zeit.

 

Er kann auch heute noch jedem einzelnen Christen und der Pfarrgemeinde ein Vorbild sein. Darum schlage ich vor, nach dem Umbau das Pfarrheim „Bischof-Colmar-Haus“ zu nennen.

 

März 2007                              Pfr. Dr. Werner Pelz