22. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

30.08.2020 - 22. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

Vertrauen ist gefragt!

Da ist der Prophet Jeremia,
von dem in der Lesung die Rede war.

Der Abschnitt, den wir gehört haben, stammt aus der letzten Zeit des öffentlichen Wirkens des Propheten.

Und was er hier sagt, ist bedrückend:

"Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören."

Das ist Jeremias Fazit nach einem langen Prophetenleben.

Er, der Priestersohn,
der nie Prophet werden wollte,
wurde von Gott geradezu genötigt, öffentlich aufzutreten.

Er, der immer von der Liebe Gottes reden wollte,
musste seinem Volk ins Gewissen reden und den Untergang androhen.

Selbst seine eigene Familie hat ihn dafür gehasst.

Gehört hat kaum jemand auf ihn.

Als die Babylonier Jerusalem in SChutt und Asche legten,
musste er seinem Volk sagen, dass es an dieser Katastrophe selbst schuld war.

Als man sich gegen die babylonischen Besatzungstruppen auflehnte,
musste Jeremia davor warnen, dass Gott mit den Besatzern sei. Aber auch da hörte man nicht auf ihn.

Man tötete den Statthalter und floh vor der Rache der Babylonier nach Ägypten.
Die Warnung Jeremias, auf jeden Fall in Israel zu bleiben,
wurde ebenfalls ignoriert.

Sie zwangen ihn, mit nach Ägypten zu gehen.

Dort werde man untergehen, hat er verheißen.

Das ist das letzte, was man von ihm weiß.

Ein Mensch,
der von Gott ergriffen war, begeistert.

Jeremias hat getan, was Gott von ihm wollte,
egal, was seine Mitmenschen davon hielten,
egal, was es ihn selbst kostete.

Vielleicht dachte Petrus an das tragische Leben dieses Propheten,
als er versucht, Jesus von seinem Vorhaben abzubringen,
nach Jerusalem zu gehen.

Petrus will in den Weg und das Schicksal Jesu eingreifen
um ihn zu retten.

Dessen Reaktion ist ähnlich hart und eindeutig,
wie junge Menschen manchmal auf Ratschläge oder Druck der Eltern reagieren.
„Satan“ sagen sie vielleicht nicht,
aber vielleicht: „das kannst du vergessen!“

 

Petrus war sprachlos, als er von Jesus derart massiv in seine Schranken gewiesen wurde.
Jedenfalls ist nicht überliefert, dass er danach noch etwas gesagt hätte.

Wir erleben heute einen Jesus, der seinen Weg nach Jerusalem,
den Weg in den Tod
bewusst und unbeirrt gehen will.

Er steht zur Konsequenz seiner Verkündigung,
zur Konsequenz seines ganzen Lebens.

Das wollen weder seine Familie, noch sein Volk, erst recht nicht die religiösen Führer verstehen.

 

Es ist ja nicht so, dass uns das Schicksal des anderen nichts anginge
und dass wir nicht erschrecken würden,
wenn ein anderer zu Schaden kommt.
Zumal wenn es ein Freund oder Bekannter ist.

Da ist es absolut menschlich, wenn man ihn oder sie vor einem bösen Geschick bewahren will.

Aber meistens verbinden wir mit dem Wort „Schicksal“ eben etwas Böses, Bedrohliches,
wir glauben aber gleichzeitig an einen Gott,
der unsere Geschicke in seiner Hand hält,
der weiß, warum dieses oder jenes in seinem Plan für uns vorgesehen ist.

 

Überall dort, wo wir nicht mehr alles überschauen können, ist Vertrauen verlangt,
so wie Kinder darauf vertrauen, dass ihre Eltern sie nicht im Stich lassen werden,
auch wenn es mal lästig ist, was sie sagen.

Dieses Vertrauen ist die einzige Möglichkeit für die Heranwachsenden, dem Rat,
oder der Anweisung der Eltern – Respekt abzugewinnen.

 

Der Weg Jesu war von diesem Vertrauen geprägt. Selbst da noch,
wo er sich völlig verlassen fühlen musste, legte er sein Leben in die Hände des Vaters.

Dieses Vertrauen muss etwas so Schönes, Bestärkendes sein,
wenn man spüren darf, dass man nicht aufgeben muss,
sondern aufgeben und loslassen kann und darf.

 

Ein solches Vertrauen gibt die Kraft, seinen Weg zu suchen und zu gehen.

Es ermutigt, das zu tun, was Gott will –
und nicht das, was der Mainstream oder schnelle Erfolge einem einreden wollen.

Vertrauen ist gefragt!