21. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

23.08.2020 - 21. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

In diesen Tagen hat Rom wieder einmal gesprochen.

Und zwar in einer Angelegenheit, die uns alle angeht.

Ich weiß nicht ob sie es mitbekommen haben,
es ging in der jüngsten Instruktion, die die Kleruskongregation verfasst und der Papst durch seine Unterschrift bestätigt hat um die neuen Pastoralen Wege,
die in vielen Deutschen Bistümern gegangen wurden und werden.

(Mainz, Trier)

Auch bei uns ist man dabei sich zu überlegen, wie Gemeinden, wie Kirche zu organisieren ist,
dass auch bei immer weniger Priestern,
immer weniger pastoralen Mitarbeitern,
immer weniger Geld
und vor allem: immer weniger Gläubigen
Kirche noch ein Ort sein kann,
an dem die Gemeindemitglieder Heimat finden,
an dem das Evangelium gelebt und verkündet wird.

Unsere Kirche braucht als Weltkirche dazu auch Leitungsstrukturen.
Sie braucht bei ihrer weltweiten Ausbreitung ein Amt im Dienst an der Einheit,
das auch gewisse Vollmachten haben muss.

Aus bescheidenen Anfängen ist im Laufe der Zeit diesem obersten Hirtenamt und seiner Hierarchie aber fast schon so etwas wie Allmacht zugewachsen.

Als biblische Rechtfertigung dient dafür das heutige Evangelium:

„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“.

Auf diesem Fels, ist eine Kirche gebaut worden, die jetzt schon auf zwei Jahrtausende zurückblicken kann
und die durch unzählige Krisen und Wandlungen hindurch
dennoch stabil geblieben ist.

 

Jetzt aber scheinen einige zu glauben, weil das Bauen auf Felsen so gut geklappt hat,
braucht es nichts anderes mehr als festen Boden.

Und mir kommt es so vor, als gehe man dazu über die Felder zu betonieren, um überall feste Fundamente zu erhalten.

Was man aus Rom in den letzten Wochen hört, macht diesen Eindruck.

Da werden fast alle Überlegungen zur Lösung der anstehenden Probleme vor Ort vom Tisch gewischt.

Da werden Rollen festgeschrieben, die mehr an feudale Machtstrukturen erinnern,
als dass sie den Geist des Evangeliums atmen.

Und da werden die Frauen wieder einmal auf ihre Plätze verwiesen
und schon die kleinsten Ansätze jeglicher Reförmchen bereits im Keim erstickt.
Bestehende Strukturen werden gleichsam zementiert.

Es wird betont, dass es in der Kirche wenn es um Leitung geht nur auf die Bischöfe und Priester ankommt -
niemand anderer darf wirkliche Leitungskompetenz bekommen
und es ist sorgfältig darauf zu achten,
dass diese Machtlosigkeit der Laien auch in den Amtstiteln die sie führen stets klar zum Ausdruck kommt.

Damit keine Missverständnisse entstehen.

Es ist die Zementierung derselben Rechtslage,
die Papst Franziskus einmal als klerikales Grundübel in der Kirche bezeichnet hat.

Auf Zement wächst aber nicht viel.

Wer das Leben fördern möchte, darf nicht zementieren.
Er muss den Boden lockern!

Vom Evangelium her ist das klar:

Wem Jesus ein Amt anvertraut,
dem überträgt er nicht Macht, sondern ausschließlich den Dienst an den Menschen.

Das hat Jesus in einzigartiger Weise dargestellt im Zeichen der Fußwaschung,
von ihm verbunden wird mit der Aufforderung:

„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“.

Petrus spielt zu Recht eine wichtige Rolle,
er hat als erster der Jünger Jesus als den Messias bekannt.

Aber auch Martha oder der heidnische Hauptmann haben ihr Bekenntnis zum Messias abgelegt
und erst durch das Zeugnis der Frauen machte sich Petrus auf zum leeren Grab.

Wenn wir also heute in Zeiten der Krise nach neuen Wegen suchen,
dann werden das Wege sein, die nur gegangen werden können,
wenn die Charismen und Talente aller Frauen und Männer in den Gemeinden zur Geltung kommen dürfen!

Ich stelle mir das so vor,
dass auch ich als Pfarrer nicht von Vorne herein das letzte Wort haben muss,
sondern dass wir die zukünftige Gestalt unserer Gemeinde zusammen suchen und aufbauen müssen.

Jeder ist dazu aufgefordert,
seinen Einsatz, seinen Glauben, seine Begabungen, Fragen und Gedanken einzubringen,
mitzuarbeiten,
nicht als kleines unwichtiges Rädchen,
sondern gleichberechtigt auf der Basis des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen.

Unser Christliches Leben darf sich nicht in Tradition und Erstarrung erschöpfen,
sondern es braucht stetiges Wachsen und Reifen
und für jede Zeit angemessen, neue Formen.

Nicht Petrus,
nicht der Papst und nicht die Kirche sind der unüberwindliche Fels, von dem Jesus spricht;
erst recht nicht die kirchliche Verwaltung samt ihrer Gesetze.

Gottes Treue und unser Glaube an ihn sind der Felsengrund
auf dem die Kirche Jesu steht.
Solange sich der Papst und wir alle auf das Wort und die Treue Gottes einlassen und verlassen,
solange steht seine Verheißung:
Die Mächte des Bösen werden sie nicht überwältigen.