7. Sonntag der Osterzeit 2020 - Predigtgedanken

24.05.2020 - 7. Sonntag der Osterzeit - Predigtgedanken

Schrifttexte des Tages:

  • 1. Lesung: Apostelgeschichte 1, 12-14
  • 2. Lesung: 1. Petrusbrief 4, 13-16
  • Evangelium: Johannes 17, 1-11a

Predigtgedanken

Theologen sprechen gerne von einer Zwischenzeit,

Was das heißt erleben wir gerade in diesen Tagen.

Vor dieser Zeit gab es die Vor-Corona-Zeit und nach diesen Tagen wird es eine NAch-Corona-Zeit geben.

Jetzt aber sind wir leider mittendrin in dieser Zwischenzeit, wie die Nachrichten von Neuinfektionen von Gottesdienstbesuchern in Frankfurt und Gaststättenbesuchern im Landkreis Leer zeigen.

Diese Zwischenzeit ist dadurch geprägt, dass fast nichts mehr so ist wie vorher.

Viele Gottesdienste und Termine fallen aus.
Die Gesichter der Menschen sind maskiert,
Schule gibt es nur noch in homöopatischen Dosen,
Kinos, Konzerte und Theater sind geschlossen,
dafür gibt es aus dem Internet immer mehr Angebote unterschiedlicher Qualität.
Von einigen Familien weiß ich, dass sie für die viele gemeinsame Zeit dankbar sind,
bei anderen verschärfen sich die Probleme, die schon vorher da waren, dramatisch.
Die Frauen sind wieder mehr zu Hause und hüten Herd und Kinder,
alte Rollenklischees werden wiederbelebt.

Es ist (fast) nichts mehr so wie es vorher war.

Zu einer Zwischenzeit gehört aber auch, dass man nicht weiß, was danach kommen wird.

Wenn wir einen Impfstoff, ein Medikament haben, wie geht es dann weiter?

Die Entschleunigung der Coronatage haben nicht wenige als wertvoll und heilsam empfunden - werden wir etwas davon in den neuen Alltag hinüber retten können?

Die Digitalisierung der Arbeits- und Schulwelt wurde aus der Not enorm gesteigert, was davon wird bleiben oder sogar ausgebaut werden?

Gottesdienste zu Hause feiern oder im Fernsehen oder Internet mitfeiern ist für viele ein Gebot der Stunde. Viele neue Impulse und Möglichkeiten, den eigenen Glauben zu leben, wurden entdeckt. Was davon wird dauerhaft unser Glaubensleben bereichern?

Ganz sicher werden sich Menschen, die das lange nicht durften wieder umarmen,
Konzerthallen und hoffentlich auch Kirchen zu klein sein,
Frauenrechte wiederbelebt und Freiheitsrechte wieder genutzt werden.

Es gibt viele Prophezeihungen, von rabenschwarz bis rosarot, ab wer wer ehrlich ist gibt zu, dass niemand weiß, was nach dieser Zwischenzeit kommen wird.

Die erste Lesung heute erzählt ebenfalls von einer Zwischenzeit.

Maria, die Apostel und andere Frauen und Männer sind in spannungsvoller Erwartung alle in einem Raum versammelt.

Vorher gab es die Jesus-Zeit.
Die ist jetzt endgültig vorbei.

Sie hatten schon einmal gedacht, dass die Jesus-Zeit vorbei sei.
Aber da hatten sie sich getäuscht.
Das war als um die dritte Stunde der Vorhang im Tempel zerriß und die Sonne sich verfinstert hatte.
Da jedoch war ihre Zeit mit Jesus noch nicht vorbei gewesen

Sie ging weiter, fast schöner als zuvor. Manchen erschien er ganz persönlich, anderen gemeinsam und immer waren es Momente der Freude, der Vergebung und des Neuanfangs gewesen.

Aber jetzt, mit der Himmelfahrt, da war das vorüber.

Jesus ist wirklich weg.
Niemand hatte ihn mehr gesehen.

Sie hatten nichts als seine Verheißung, dass er bei ihnen bleiben würde, bis ans Ende der Welt.

Wie würde es weitergehen, mit seiner Botschaft, die sie so tief berührt hatte,
die Gedanken der Bergpredigt,
die Arbeiter im Weinberg,
das absolute Gebot der Liebe.
Wie konnte all das weitergeführt werden, zu den Menschen, so dass es die Welt verändert?

Maria, die Apostel und die anderen Frauen wissen es nicht.
Weil sie sich in einer Zwischenzeit befinden.

Ich denke, sie haben nicht nur gebetet.
Sie haben bestimmt auch viel miteinander geredet.
Sicher auch miteinander geschwiegen in jenem Haus, in das sie sich zurückgezogen hatten.
Und dann wieder miteinander gebetet.

In dieser Intensiven Zeit haben sie sich auf das vorbereitet, was kommen sollte.
Durch Gebet, Schweigen und Reden.

Sie haben diese Zeit ausgehalten und intensiv miteinander gelebt.
Sie setzen sich nicht über diese Zeit hinweg.
Sie nehmen sie wahr, schmerzhaft und hoffnungsvoll, mit Sorgen und mit Erwartungen.

Aber immer als eine Zeit, in der nicht mehr ist, was war, und noch nicht klar ist, was kommt.

Und darüber bleiben sie im Gespräch und im Gebet miteinander.

Vielleicht können sie so für uns heute ein Hinweis sein,
wie wir mit der Zwischenzeit umgehen können, in der wir gerade leben!?!

Damals dauerte die Zwischenzeit nur 9 Tage, dann kam Pfingsten.

Für uns dauert es länger, jetzt schon fast 90 Tage und ein Ende ist nicht in Sicht.

Verbringen wir diese Tage ganz bewusst zusammen mit dem, der uns gesagt, hat, dass er an allen Tagen bei uns ist.

Mit ihm gibt es keine Kontaktbeschränkung und jeder darf auf Jesu Gegenwart bauen, jeder mit seiner Art,
Jede und jeder mit dem, was sie oder ihn bewegt, tief im Herzen - in dieser Zeit dazwischen.

Amen

 
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit der Vorbereitung auf das Pfingstfest. Wer sich mit anderen verbunden für das Kommen des Heiligen Geistes öffnen möchte, dem empfehle ich bei https://gemeinsamvorpfingsten.org/ nachzuschauen. Dort gibt es für den ganzen deutschen Sprachraum ökumenische Gebetstreffen online.

 
Ihr

Br. Martin Kleespies, Pfr.