10.1.2021 Taufe des Herrn - Predigtgedanken

Gott sieht nicht auf die Person,
so haben wir es eben in der Apostelgeschichte gehört!
- wir aber schon.

Leider auch in der Kirche, auch da gibt es das, was wir „Ansehen der Person“ nennen:
Wenn ein Bischof zu Besuch heute hier wäre, das würde ganz anders behandelt,
als wenn eine Familie xy, die niemand kennt,
sich zu unserem Sonntagsgottesdienst dazugesellt hätte.

Wir haben in der Kirche sogar ein ausgeprägtes System,
Hierarchie genannt,
mit einer endlos langen Liste von Rangstufen und Ehrentiteln, die die Ordnung der Personen von oben nach unten klar festlegt.

All das gibt es bei Gott nicht!

Denn Gott sieht nicht auf die Person in diesem Sinne,
Gott sieht auf jeden Menschen als Individuum.

Das zeigt sich heute exemplarisch in der Taufe Jesu.

Genauso wie all die anderen Menschen ist Jesus an den Jordan gekommen,
heraus aus dem Alltag,
aber mit allen Sorgen und Ängsten,
mit allem Zweifeln und allen Fragen,
die die Menschen von zu Hause mitbringen.

Wie alle anderen auch hört Jesus dieVerkündigung des Johannes,
hört, dass Gottes Reich uns nahe ist.

Genauso wie die anderen alle, lässt auch er sich taufen.

Was Taufen bedeutet,
das erschließt sich aus der Art, wie damals getauft wurde sehr viel mehr,
als aus unserem heutigen Taufritus.

Schon ethymologisch hat Taufen zu tun mit „in die Tiefe steigen“!
Die Bergleute sprechen von Teufen oder Abteufen,
wenn sie einen Schacht in die Tiefe graben.

Damals am Jordan wurden die Menschen untergetaucht,
regelrecht unter Wasser gedrückt.

Für einen kurzen Moment nur,
aber sicher lange genug, um das anschließende Auftauchen als Befreiung zu erfahren.

Genau das meint auch Taufen:
im Vertrauen auf Gottes Kraft und Begleitung
in alle Tiefen des Lebens einzutauchen,
bis hin zum Tod,

um dann mit ihm nach oben gezogen zu werden.

Der geöffnete Himmel verdeutlicht,
was diese Nähe und Gegenwart Gottes heißt:

Gott selbst öffnet uns den Zugang zu sich,
er selbst öffnet die unüberwindbare Schranke
zwischen seiner Sphäre der Unendlichkeit und Heiligkeit
und unserer, Welt des Vergänglichen und des Unheils.

Damit wir das auch wirklich verstehen,
lässt der Evangelist auch noch die Stimme sprechen,
die da zusagt:
„Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich gefallen gefunden.“

Das ist die Botschaft einer jeden Taufe:

Gott sagt zu einem Menschen:
„Dies ist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn“!

Gott schaut jeden von uns an,
und da ist es egal, welchen Bildungsgrad,
welchen sozialen Status,
welche gesellschaftliche Zugehörigkeit wir haben.

Es kommt auch nicht auf das an, was wir geleistet hätten,
sondern die Liebe und Nähe Gottes steht am Anfang von allem.

Sie ist nicht Belohnung für die Verdienste, so wie all unseren kirchlichen und weltlichen Ehrentitel,
sie ist Geschenk, das jeder und jedem von uns von Anfang an zugesagt ist!
Auch für Jesus steht die Taufe am Anfang seines Weges.

Das Geschenk dieser göttlichen Liebe anzunehmen,
es in unserem Leben wirksam und heilsam werden zu lassen,

das ist alles, was wir noch dazutun dürfen.