Heilig Abend 2020 - Predigtgedanken

Fröhliche Weihnacht überall! tönet durch die Lüfte froher Schall.
Weihnachtston,
Weihnachtsbaum,
Weihnachtsduft in jedem Raum!
Fröhliche Weihnacht überall! tönet durch die Lüfte froher Schall.

– so vertraut hat es eigentlich in jedem Jahr durch die Lautsprecher auf den Weihnachtsmärkten und in den Kaufhäusern geklungen.

In diesem Jahr war das anders.
Die Advents- und Weihnachtsmärkte wurden abgesagt
und in den Kaufhäusern haben sich am Ende keine Menschen mehr getummelt.

Die Dauerbeschallung führte bei mir eher dazu,
dass ich die Weihnachtsmusik wenn das Fest endlich da war schon gar nicht mehr hören wollte.

In diesem Jahr ist Weihnachten stiller als sonst. Stille Nacht.

Das war es dann aber auch schon mit den Veränderungen, die man eventuell als positiv empfinden könnte.

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Wehmut schauen viele von uns in diesen Tagen zurück auf das Jahr 2020.

Ein kleines unscheinbares Virus hat alles durcheinander gebracht.

Viele bei uns, deren Leben in ruhigen Bahnen verlief und deren wirtschaftliche Existenz sicher schien,
stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen,
wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Wir alle leiden unter der erzwungenen Distanz,
Freunde und Angehörige in den Arm nehmen,—
lange her, dass wir das unbefangen tun konnten.

Selbst einen einfachen Händedruck zur Begrüßung hat sich inzwischen auch der Letzte komplett abgewöhnt.

Und wir alle fragen uns - ich denke, da übertreibe ich nicht - wann das enden wird!

Wann wird es endlich vorbei sein mit der Bedrohung?
Mit all den Einschränkungen?

Passend zum Weihnachtsfest haben wir jetzt in Europa eine neue Hoffnung,
in Gestalt kleiner Glasampullen.

Sie enthalten einen Impfstoff,
ein Hichtech-Produkt biologischer Molekularforschung.

Manchen macht das auch Angst, aber:

dieser Impfstoff kann uns gegen die unheimliche Macht des Virus immun machen.

Wir sind ihm immer noch ausgesetzt - aber nicht mehr ausgeliefert.

Er kann unsere Körper nicht mehr benutzen, um sich zu vermehren und weiterzuverbreiten -
weil unser Immunsystem dann lernt, das Virus zu besiegen.

Liebe Schwestern und Brüder,
in jedem Jahr suche ich erneut nach einem passenden Bild,
nach einem Vergleich aus unserem alltäglichen Leben,
der uns etwas besser verstehen hilft,
was Weihnachten bedeutet.

In diesem Jahr ist das für mich diese Krankheit, unter der die ganze Welt leidet. Corona. —
Und der neue Impfstoff, der ab sofort verwendet werden darf.

Der unheimliche Erreger der Pandemie wird im Kontakt mit anderen Menschen übertragen und ist so innerhalb von Monaten um die ganze Welt gewandert.

Millionenfach hat er Leid und Tod gebracht, unfassbar hohe Werte vernichtet.

Seit Anfang des Jahres beherrscht dieses Thema die Medien
und unsere Köpfe.

Dabei vergessen wir über dieses Virus leicht, dass unsere Welt noch an anderen Krankheiten leidet,
Krankheiten im übertragenen Sinn,
die aber mindestens genauso tückisch sind
mörderisch und schädlich wie das Virus.

Krankheiten, die sich ebenfalls im Kontakt mit anderen Menschen übertragen und vervielfältigen können.

Sie sind aber nicht neu, sie sind uralt, wahrscheinlich so alt wie die Menschheit.

Die Erreger dieser Art von Krankheiten sind:
Egoismus,
Habgier,
Rachsucht,
Rassismus,
Aggression, Gewalt und all die anderen Formen der Lieblosigkeit.

Das sind zwar alles keine Viren,
aber sie sind mindestens genauso ansteckend.

Wenn sie das nicht glauben,
dann grüßen sie doch einmal ihren netten Nachbarn eine Woche lang nicht,
oder stellen sie ihr Auto ein paar mal auf seinen Parkplatz und reagieren aggressiv, wenn er sie darauf anspricht.

leider sind Egoismus genauso ansteckend wie Aggressivität und all die anderen Dinge die ich genannt habe.

(Die Liste könnte fortgesetzt werden…)

Auch sie haben die Welt fest im Griff, bestimmen seit jeher unzählige Schicksale.

Die Symptome dieser Art Krankheiten sind:
Kriege,
Ein riesiges Gefälle zwischen Arm und Reich,
Hass und Vorurteile,
Raub, Diebstahl und Mord,
Angst und Misstrauen, die nicht einmal unberechtigt sind.

 

Das Heilmittel, der „Impfstoff“:

Das ist in diesem Bild Jesus, das Kind aus Nazareth!
Der personifizierte Gegenentwurf Gottes zur Krankheit dieser Welt!

In diesem Kind zeigt uns Gott,
dass das größte und mächtigste Wesen überhaupt,
das unsere Vorstellungskraft weit übersteigt,

dass dieses Wesen auf alle Macht und allen Reichtum verzichtet.

Das Kind in der Krippe sagt uns genauso wie später der Erwachsene Jesus,
dass Gewalt und Unrecht nur durch Liebe und Vergebung besiegt werden können,
dass Bescheidenheit und Verzicht der einzige Schlüssel dafür sind,
dass Egoismus und Habsucht nicht das letzte Wort behalten.

Dass nicht Vorschriften und Gesetze,
erst recht nicht Krieg und Gewalt in der Lage sind die Welt zum Guten zu wenden,
sondern nur eine Bekehrung der Herzen,
eine innere Überzeugung,
dass nur die Hinwendung zum Vater und
das Schöpfen aus seiner Liebe

uns immun machen kann gegen die unheilvollen Mächte und Süchte dieser Welt.

Die heilsame Kraft der Botschaft dieses Kindes verbreitet sich genauso
wie die unheilvollen Krankheiten:
durch Kontakte von Mensch zu Mensch.

Auch das lässt sich testen im Umgang mit ihren Mitmenschen:
wo sie ihnen offen, hilfsbereit und freundlich begegnen,
werden die allermeisten sich davon anstecken lassen.

Was das Kind in der Krippe uns sagen will,
das können wir nicht erfassen,
indem wir mit dem Kopf verstehen, was die Geburt im Stall bedeutet.

So wie kleine, wehrlose Kinder uns besonders anrühren können,
so muss uns auch Jesus und seine frohe Botschaft innerlich berühren;
sie muss uns unter die Haut gehen, um zu wirken.

Ganz ähnlich, wie auch der Impfstoff nicht wirkt,
wenn wir uns nicht mit ihm impfen lassen.

Und zwar mehr als nur einmal
eine einmalige Begegnung reicht auch bei Jesus nicht aus,
um uns zu immunisieren gegen die Kräfte der Zerstörung.

Im Gegensatz zum neuen Impfstoff hat der Kontakt mit Jesus von Nazaret allerdings
garantiert keine schädlichen Nebenwirkungen,
wenn wir ihm tatsächlich selbst begegnen.

„In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab.
Mein Herz will ich ihm schenken, und alles, was ich hab“

so heißt es in einem bekannten Weihnachtslied das Friedrich Spee schon 1637 gedichtet hat.

Gehen wir also zur Krippe hin,
das Kind darin anzuschauen,
uns von ihm berühren zu lassen,
nicht, um uns sentimental und oberflächlich an der Weihnachtsstimmung zu ergötzen,

sondern um das Heilmittel in uns wirken zu lassen,
um uns unter die Haut gehen zu lassen

die göttliche Liebe,

die uns heilen kann
und immun macht gegen die uralten Übel unserer Welt.