2. Fastensonntag - Predigtgedanken

21.02.2021 - 2. Fastensonntag im Jahreskreis B

Wer schon mal eine Fernwanderung gemacht hat,
besonders in den Bergen,
der kennt das:
der weiß, wie schön es ist, nach einem mühseligen Aufstieg plötzlich an einer Stelle anzukommen,
von der aus man das Ziel in der Ferne sehen kann.

Die Mühe der Täler, die zwischen Dir und dem Ziel liegen,
die nimmst du in dem Moment nicht wahr.

Du weißt aber, Du bist auf dem richtigen Weg,
und dein Ziel liegt erreichbar vor Dir.

 

Auch Jesus ist auf dem Weg zu einem Ziel, für ihn ist es Jerusalem.

Dort wird seine Reise enden.

Und den Weg dorthin geht er konsequent.

Wir haben vor kurzem gehört, wie die Menschen ihn als Wunderheiler für sich in Anspruch nehmen wollten.

Wie sie in Massen von überallher zu ihm kamen, mit all ihren Krankheiten und Leiden.
So dass ihm kaum noch Zeit blieb, zu essen.

Und wie er mitten im größten Hype eines Nachts einfach wegging von diesem Ort,
weg in die Einsamkeit und Stille.

Da hatte er erkannt:
wenn ich jetzt hier bleibe und die Erwartungen der Menschen erfülle -
so berechtigt die auch sein mögen -

dann werde ich das Ziel meines Weges nicht erreichen,
dann endet meine Lebensreise hier als beliebter und gefragter Heiler.

Aber Jesus wußte:
er hat ein Ziel und einen Auftrag.

Den Weg dorthin konsequent gehen:
das hieß in dieser Situation für ihn:
nicht flüchten in blinden Aktivismus!!!

 

Heute ist die Lage komplett anders.

Jesus und die Jünger stehen auf dem Berg der Verklärung.

Sie sehen die Herrlichkeit Gottes,
das Ziel eines jeden Menschenlebens.

Es ist wichtig, sich immer wieder dieses Ziel vor Augen zu stellen -
nicht rein intellektuell - erkenntnismäßig,
sondern als ergreifende Erfahrung,
als Begegnung, die in uns die Sehnsucht weckt, am liebsten da zu bleiben.

Diese Erfahrung, können wir nicht erzwingen,
sie ist ein großes Geschenk.

 

Und so wunder es nicht, dass die Jünger sich an diesem Sehnsuchtsort dann auch gerne häuslich einrichten wollen,
Die Hütten, die sie bauen wollen sind die Metapher dafür.

Aber sie müssen lernen, dass man diesen Moment nicht festhalten und konservieren kann.
Ebensowenig wie Menschen nach Ostern die Momente der Begegnung mit dem Auferstandenen festhalten konnten.

Die Augenblicke, in denen uns Gottes Gegenwart erfahrbar wird,
sind wichtig,
aber sie sind immer nur kurz.

Sie dürfen nicht in die Versuchung führen, sie festzuhalten.

Für Jesus ist nur Verweilen beim Vater genauso wenig möglich,
wie das Totale Aufgehen in der Aktivität.

Er kann sich nicht komplett einspannen lassen von den Menschen -
und er flüchtet nicht in reine Frömmigkeit und Spiritualität.

 

Genauso wie Jesus hat auch jede und jeder von uns eine Aufgabe im Leben
und ein Ziel, auf das wir zugehen.

 

Unterwegs sein in die Gegenwart Gottes ist das Ziel unseres Lebensweges!

Für das Kommen seines Reiches zu arbeiten ist unsere Aufgabe!

Und da gibt es eine Menge zu tun:

Versöhnungsbereit sein, wo wir Streit haben,
Liebevoll und geduldig im Umgang mit unseren Mitmenschen und uns selbst,
ein offenes Ohr haben für die Sorgen und Nöte der anderen,
Helfen, wo wir das können.
Darauf achten, was wir konsumieren,
unter welchen Bedingungen die Dinge produziert werden, die wir kaufen,
Unsere Energie und Fähigkeiten nicht nur für uns selbst einsetzen,
für das eigene Wohl und Vorankommen,
sondern uns auch engagieren, wo das in unserer Gesellschaft gerade nötig ist.

Das sind nur ein paar Beispiele für die Dinge, die unsere Aufgabe sind.

So sinnvoll und wichtig sie auch sein mögen, - sie sind nicht alles!!
Wir haben ein Ziel, das größer ist als bloße Aufgabenerfüllung
und unser Wert bemisst sich nicht an dem, was wir leisten.

Darum braucht es auch immer wieder die Momente der Begegnung mit Gott:

Zeiten der Stille,
das Lesen in der Bibel oder in einem guten Glaubensbuch,
Meditation und Gebet.
Momente der Ruhe, die uns Kraft geben.

 

Auf dem Weg durch die Fastenzeit,
genauso wie auf dem Weg durch unser Leben ist es entscheidend,
für beides das rechte Maß zu finden:

  • Die Gegenwart Gottes suchen,
    Uns Kraft und Halt schenken zu lassen
    und neue Orientierung für den Weg zu finden.

  • und dort tätig werden, wohin ER uns im Leben stellt,
    aber ohne uns in reinem Aktivismus zu verlieren.