16. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

19.07.2020 - 16. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

Ich habe es bereits am vergangenen Sonntag erwähnt:
Bei der Gartenarbeit zu Hause war ich als Kind ziemlich lustlos und daher oft keine große Hilfe.

Und heute erzählt das Evangelium schon wieder vom Gärtnern!
Auch noch Unkraut als Thema!

Meine Erinnerung daran ist, dass ich mehr als einmal das Falsche ausgerissen habe,
weil ich es für Unkraut hielt!

Was mir natürlich Ärger einbrachte.

Das heutige Evangelium spricht mir deshalb völlig aus dem Herzen: Lasst beides wachsen, bis zur Ernte!
Ich weiß, wie leicht man beim Ausreißen über das Ziel hinausschießen kann.

Und als Ergebnis kommt dann etwas dabei heraus, was nicht im Sinne des "Herrn der Ernte" ist.

Wie schon gesagt - was die Gartenarbeit angeht, ist mir das völlig klar.

Aber Jesus hat dieses Gleichnis ja nicht deswegen gesprochen, um Gartenmuffeln wie mir Gründe zu liefern,
kein Unkraut mehr jäten zu müssen.

Ihm geht es um das Unkraut selbst,
oder besser darum, dass ihm alleine zusteht, Kraut und Unkraut zu unterscheiden.

Und zwar im übertragenen Sinn:

Ob Hobbygärtner oder nicht,
bei anderen Menschen
und auch bei uns selbst sind wir ja oft schnell bereit Kraut und Unkraut zu benennen.

Wir teilen Menschen ein in nützlich und hinderlich,
und das, was unnütz scheint,
was der eigenen Sache schädlich ist und ihr im Wege steht,
das würde man dann schon ganz gerne mal einfach ausreißen
oder zumindest dorthin wünschen, wo der Pfeffer wächst.

Ich fürchte, dieses Gefühl kennen wir alle.

Und wenn wir es schon nicht selber können,
wie oft wünschen wir uns,
dass der Herr der Ernte wenigstens frühzeitig eingreifen und die Welt vom Unkraut säubern würde.

Jeder von uns kennt bei sich selbst Eigenschaften, die er oder sie am liebsten sofort ausreißen würde:

Vergesslichkeit etwa, oder den Hang zu Eifersucht,
chronisches Misstrauen oder naive Leichtgläubigkeit,
Übertriebenen Ehrgeiz oder das Gegenteil: völlige Antriebslosigkeit,
Jähzorn oder übertriebene Duldsamkeit,
Harmoniesucht oder Streitsucht -
die Liste der Möglichkeiten, sich zu verbessern,
sich selbst zu optimieren - wie man heute sagt -
diese Liste ist schier unendlich.

Und noch leichter fällt es uns oft, die Fehler und Macken der anderen zu finden,
zu benennen,
und nach Kräften versuchen wir dann manchmal auch bei denen das Unkraut zu jäten.

Die Geltungssüchtigen zurechtstutzen,
die Vorlauten verstummen lassen,
den Rücksichtslosen Manieren beibringen,
die Egoisten in die Schranken weisen,
bestimmen wer so glaubt, dass es für eine christliche katholische Gemeinde passend ist,
auch wenn es um unsere Mitmenschen geht,
ist die Liste der Unkräuter niemals vollständig!

Deshalb erzählt uns Jesus das Gleichnis vom Herrn der Ernte.

Der nämlich jätet kein Unkraut.

Er tut es nicht,
und er erwartet auch von uns, dass wir es nicht tun.

Wir werden uns selbst mit unseren Fehlern ertragen müssen.

Damit will ich nicht sagen, dass wir unsere Fehler und schwächen ignorieren sollen,
oder sie gar gut finden - nach dem Motto „Ich bin halt so“.

Nur, wer schon versucht hat bei sich selbst etwas „auszureißen“, der wird bemerkt haben:
das ist auch nicht gesund. Selbst wenn es tatsächlich funktioniert hat.

Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Herr der Ernte uns wachsen und reifen lässt -
und wenn die Zeit dafür reif ist, werden wir auch das eine oder andere Unkraut ablegen.

Aber aus eigenem Antrieb ausreißen sollen wir nichts.

Das gilt um so mehr, wenn es um unsere Mitmenschen geht.

Auch sie mit ihren Fehlern und Macken, die uns oft genug aufregen, werden wir in Geduld
und manchmal auch wie ungeliebte Geschwister ertragen müssen.

Denn ein Urteil steht uns nicht zu.

Für uns bedeutet das aber auch,
dass wir Menschen einander, bei allen Vorbehalten,
bei allen Schwierigkeiten,
allen Unterschieden und allen Differenzen immer mit einem Höchstmaß an Respekt zu begegnen haben.

Auch der oder die andere, dessen bloßes Erscheinen vielleicht schon reicht um meinen Blutdruck in die Höhe zu treiben,
auch er oder sie ist eine Pflanze im Garten des Herrn!

Gegenseitige Diffamierung,
Verächtlichmachung oder gar bewusste Verletzungen darf es unter uns nicht geben.

Das Reich Gottes kommt
und es ist schon da
und es ist bunt ist und nicht uniform.

Hier finden auch die einen Platz, die weder in der Kirche noch in der Gesellschaft eine Bedeutung haben.

In den wenigen Sätzen dieses Gleichnisses leuchten eine so große Freiheit und fröhliche Gelassenheit auf,
weil sie das letzte Urteil ganz getrost nicht Menschen, sondern Gott in die Hände legen.

Amen