Predigt vom 5.8.2018

Mit einer Gruppe der älteren Messdiener unserer Pfarrei waren wir bis gestern in Rom, zur internationalen Wallfahrt der Ministranten. Wir haben viel gesehen und erlebt.
Mit 60.000 Messdienern haben auch in einer Großstadt wir Rom das Stadtbild für ein paar Tage geprägt.
Besonders beeindruckend war auch eine Führung durch das Colosseum.
Die meisten werden es kennen: eine riesige Arena für 80.000 Zuschauer, gebaut von Kaiser Vespasian in den Jahren 72 - 80 nach Christus. Finanziert wurde der Bau im wesentlichen mit der Beute aus dem Jerusalemer Tempelschatz, den die Römer dort bei der Zerstörung des Tempels im Jahr 62 erbeutet hatten.

Was mich daran beeindruckt ist nicht so sehr das architektonische Wunderwerk, sondern das, was dieser Bau über den Menschen aussagt: Dieses Bauwerk entstand ja zu einem bestimmten Zweck. Es sollte dazu beitragen, die Bevölkerung Roms friedlich zu halten und dem Kaiser die Treue seiner Untertanen zu sichern. Brot und Spiele, so lautete das Motto dem diese Arena dienen sollte.

Das bedeutet, dass der Kaiser wusste: zwei Dinge braucht es um die Menschen, um das Volk ruhig zu stellen, damit er ungestört seinen Plänen und Projekten nachgehen konnte:
- Die Menschen müssen satt sein, deshalb Brot
- und die Menschen brauchen Ablenkung und Zerstreuung, dafür die Spiele.
So gab es auf Staatskosten immer Brot für den Magen und es gab ein kostenloses Jahresticket mit der Nummer des Eingangs und des Sitzbereiches für jeden Bürger. (Das Kolosseum hatte 80 Eingänge, die Nummerierung ist teilweise heute noch zu lesen.

Die Spiele, die zur allgemeinen Belustigung aufgeführt wurden, waren grausam:
Im Wesentlichen immer dasselbe: Menschen und Tiere schlachteten sich gegenseitig ab. Auf dem Boden wurde Sand ausgestreut, um das viele Blut zu binden.
So sollen allein bei der drei Monate dauernden Einweihungsfeier 5000 eigens importierte Raubtiere getötet worden sein und eine ungenannte Zahl an Kriegsgefangenen und Gladiatoren.
Und alles nur, um den inneren Frieden der Stadt und die Herrschaft des Kaisers sicher zu stellen!! Frieden, der entsteht, weil man satt und entsprechend träge ist und Treue zum Kaiser, weil man von den eigentlichen Problemen der Gesellschaft abgelenkt wird durch ständig größere Attraktionen.

Mich berührt daran vor allem, der krasse Gegensatz zwischen diesem Rezept, das bei den Menschen (damals wie heute) offensichtlich gut funktioniert und dem, was wir heute im Evangelium gehört haben bzw. dem, was wir auf der Wallfahrt erlebt haben.
Im Evangelium sagt, Jesus von sich: „Ich bin das wahre Brot, wer von diesem Brot ist, wird nie mehr hungrig sein“
Bei unserer Romwallfahrt war das Motto: Suche Frieden und jage ihm nach.
In den unterschiedlichen Gottesdiensten und Gebeten im Rom wurde dabei deutlich, dass dieser Friede, dem wir nachjagen sollen, zuerst etwas ist, das in jedem einzelnen anfangen muss. Nur wenn ich selbst inneren Frieden habe, nur dann kann ich auch nach außen Frieden verbreiten und dazu beitragen, Dass Frieden herrscht. Die Frage ist nur, woher dieser innere Frieden kommen soll.

Wer ehrlich zu sich selbst ist, der wird wissen, wie schnell wir uns aufregen, wenn andere uns in die Quere kommen, wie schnell wir auch aggressiv werden, wenn andere uns feindselig begegnen. Wer einmal erleben will, wie schnell aus einer Kleinigkeit eine handfeste Auseinandersetzung wird, der muss nur mal versuchen, sich in der Schlange an der Kasse im Supermarkt vorzudrängen.
Unfrieden und Aggression ist etwas ungemein ansteckendes und das Maß an innerem Frieden, das wir brauchen um dagegen immun zu sein ist enorm. Unser eigener innerer Friede, unsere Geduld und Menschenfreundlichkeit sind schnell erschöpft, wenn es darauf ankommt! So wird das, was Jesus heute sagt, sozusagen zu einer Ergänzung der Gedanken der Romwallfahrt:

Wenn Du Frieden suchst, inneren Frieden für dich, dann komm zu mir.
Lass Dir von mir das Brot geben, das dir das volle und echte Leben schenkt - ein Brot, das wirklich satt macht und lass dir von mir zeigen, wie der innere Friede sich anfühlt, den ich Dir geben kann.
Du brauchst dann keine Ablenkung mehr durch Spiele:
Gladiatorenkämpfe sind sowieso out,
aber auch Videospiele, Fußballspiele, Olympische Spiele und andere Megaevents müssen dich nicht mehr ablenken, denn Du kannst dich den Problemen stellen.

(Damit möchte ich nicht sagen, dass jedes Videospiel oder jeder Besuch im Fußballstadion eine Flucht vor den wahren Problemen sein muss, aber eine gewisse Gefahr sehe ich da schon.)
Genau deshalb sagt Jesus:

Komme zu mir, lerne mit mir und aus der Gemeinschaft mit mir zu leben, dann kann ich Dir auch den inneren Frieden geben, den Du brauchst.

Jesus bezieht sozusagen das Motto der diesjährigen Ministrantenwallfahrt auf sich selber:
Nicht „suche Frieden und jage ihm nach“,
sondern:
Suche Frieden und jage IHM nach, jage Jesus nach.

Amen.