Predigt vom 22.7.2018

Es ist jedes Jahr das Gleiche:
Wenn die Erstkommunionfeier vorüber ist treffen sich einige der Kommunionkinder, die sich - Gott sei Dank! - dafür interessieren, MessdienerInnen zu werden.
Die GruppenleiterInnen kommen dazu und dann kommt eine der schwersten Hürden auf dem Weg zur Messdienerstunde:
schon mit einer Handvoll Kindern ist es eher unwahrscheinlich, dass es auch nur einen einzigen Nachmittag in der Woche gibt, an dem sie alle Zeit haben.

Keine Zeit! - Das scheint mir das Mantra unserer Zeit zu sein.
Trotz Autos, Flugzeugen, trotz Waschmaschinen und Zentralheizung, trotz Computern, elektrischen Helfern, trotz all der Technik die uns die Arbeit, die Reisen, das Einkaufen sehr viel schneller erledigen lassen, als das früher möglich war -
trotz alledem hat niemand mehr Zeit!

Und das ist nicht nur bei den Kindern so!
Gott sei Dank, so könnte man sagen gibt es da ja die Ferien!

Aber oft sind auch die Urlaube schon völlig verplant:
weite Reisen, Besichtigungen, Berg- und Wandertouren, Museen und Theater, der Kinderclub, die Ferienspiele....
Die Seele kommt wieder nicht zum Baumeln.
Einmal ganz viel Zeit haben, einmal zu sich selbst kommen, ohne Ablenkung und ohne Aktivität - können wir das überhaupt noch?
Wenn es soweit ist, wenn der lang ersehnte Urlaub da ist, dann entdecken viele, dass sie wirklich Abschalten gar nicht mehr können! Ruhe und Stille empfinden wir fast als bedrohlich und: Echter Leerlauf wirkt auf uns wie ungenutzte Zeit, und das geht schon mal gar nicht!

Wir sind in einer echten Zwickmühle:
Einerseits brauchen wir Ruhe und andererseits können wir sie nicht ertragen wenn wir sie wirklich haben könnten. Vielleicht ist das auch deshalb so, weil wir die Unruhe, den Stress, die Hektik und all die vielen Aktivitäten brauchen, um uns abzulenken von dem, was wir spüren, wenn Ruhe einkehrt.
Kennen Sie das auch?
Das Gefühl der inneren Unruhe, die sich einstellt, sobald äußerlich einmal Ruhe herrscht?
Ich kenne Menschen, die können keine fünf Minuten Stille aushalten.
Mit dieser inneren Unruhe sind oft Fragen und Gefühle verbunden.
Fragen, die aus dem Unbewussten kommen. Etwa: ist das Alles? Arbeiten, Geld verdienen, Haushalt machen, Essen und Schlafen?
Die ganze Hektik und der ganze Stress: macht das wirklich glücklich? Bin ich mit meinem Leben so wie es ist zufrieden?
Gibt es da nicht noch etwas, etwas wie einen tieferen Sinn?

Viele Menschen heute spüren diese Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, nach ihrer inneren Mitte und nach Sinn.
Schauen Sie mal in eine Buchhandlung, wie viele Bücher und Ratgeber dort stehen: über Meditation, über innere Ruhe und Gelassenheit, über Entschleunigung, Zeitmanagment oder die berühmte Work-Life-Balance. Die lassen sich offensichtlich alle gut verkaufen!
Schon der erstaunlich modern denkende Kirchenvater Augustinus hat im vierten Jahrhundert eine interessante Feststellung gemacht:
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir“
Die innere Ruhe, die wir suchen und brauchen, die finden wir nicht in Büchern, die finden wir auch nicht einfach so in uns selbst.

Ist es vielleicht Jesus, bei dem wir Ruhe finden können?
Ich empfehle einmal ins Evangelium von heute zu schauen. Da ist auch die Rede von jeder Menge Stress und von Erschöpfung. Jesus hatte die Jünger zu zweit ausgesendet, sie sollten predigen und den Kranken die Hände auflegen. Ihre Mission war überaus erfolgreich gewesen, immer mehr Menschen kamen und wollten etwas von ihnen. Sie hatten nicht einmal mehr Zeit zum Essen - das klingt fast so, als hätte es sich in heute zugetragen!
Jetzt kommen sie zu Jesus zurück und er sieht ihnen an, dass sie fertig sind und dringend Ruhe brauchen.
„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus!,“ das ist der Plan.
Aber es klappt nicht. Viele Menschen in der Gegend bekommen es mit (der See Genezareth ist sehr übersichtlich vom Ufer her!) und als sie ankommen ist der einsame Ort voller Menschen, mit ihren Krankheiten, mit ihrem Elend, ihren Nöten und Sorgen und alle wollen sie Hilfe, Zuspruch, Heilung, Rat.
Und wieder ist es Jesus, der die Not sieht - „denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Er lässt die erschöpften Jünger im Boot sitzen und steigt aus, denn „er hatte Mitleid mit ihnen“ und „er lehrte sie vieles“.

Jesus ist der gute Hirte, bei ihm kommen alle zur Ruhe: die müden Apostel und auch die Leute mit ihren Anliegen.

So wie damals die Apostel und all die anderen Menschen, genauso sieht er heute auch uns an, und lädt uns ein „Ruht ein wenig aus“.
Es ist diese Ruhe, die wir so dringend brauchen.
Bei ihm dürfen wir sein, wie wir sind, ohne Druck, ohne Zwang. Jesus müssen wir nichts vormachen, seine Liebe brauchen wir uns nicht zu erarbeiten oder gar zu verdienen.
Ruhe und Stille - und gleichzeitig auf Jesus schauen, das ist es, was unser Herz wirklich zur Ruhe kommen lässt.
Uns die Zeit zu nehmen für ihn, das ist fast so als könnten wir sie ein bisschen anhalten - alles was uns bewegt und bedrückt darf sein, wir dürfen es ihm hinhalten, wir dürfen es für eine Weile loslassen.
Dazu lädt er uns immer wieder ein, auch heute und hier, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern.