Predigtgedanken zu Pfingsten

31.05.2020 - Pfingsten

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes!
Eigentlich dürfte ich für dieses Fest gar keine Predigt vorbereiten, der Hl. Geist sollte einfach wirken,
so habe ich zuerst gedacht - es aber dann doch nicht ausgehalten.

Aber was sagt man zu diesem Geist, der so schwer zu greifen ist,
den wir uns nur schenken lassen können,
der immer wieder anders ist und wirkt,
der oft auch verwechselt wird mit platter Begeisterung?

Ich war damals noch ein Kind, aber nach allem was ich darüber gelesen und gehört habe meine ich:
Das war eine Zeit, in der man spüren konnte, wie der Geist unsere Kirche regelrecht durcheinanderwirbelte.

Was ist daraus geworden?
Nach bald 60 Jahren macht sich in unseren Tagen der Eindruck einer regelrechten Erstarrung breit.
Und es gibt sogar Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück.

Die gerade laufenden Reformen des pastoralen Weges und andere Strukurreformen wirbeln uns zwar auch gehörig durcheinander -
bzw. sie werden es noch tun -
aber ein spürbarer, mitreißender Geist der Erneuerung und Veränderung ist damit nicht verbunden.

Jedenfalls kann ich davon nichts bemerken.

Vielleicht meinen Sie jetzt: fang nicht schon wieder damit an.
Nicht einmal an Pfingsten kann er es lassen, über die kirchliche Situation zu lamentieren,
Kirche und Papst zu kritisieren!

Nun, die eben geäußerten Gedanken stammen gar nicht von mir.
Es war unser Papst, der genau dies in einer Predigt betonte.

Und es ging ihm dabei ganz besonders um den Geist, an den wir heute ja vor allem denken.

Dieser Geist nämlich ist uns immer sehr willkommen, als Tröster, als Beistand, als Stärkung…

Aber als Gottes Kraft, die uns vorwärts treibt, ist er für die meisten mehr als nur unbequem.
Und Papst Franziskus, sagt das noch sehr viel drastischer!

"Um es klar zu sagen:" meint der Papst, "Der Heilige Geist ist für uns eine Belästigung.
Er bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, er drängt die Kirche, weiter zu gehen.
Aber wir sind wie Petrus bei der Verklärung, 'Ah, wie schön ist es doch, gemeinsam hier zu sein.'..."

Und der Papst fährt fort:
"Wir wollen, dass der Heilige Geist sich beruhigt,
wir wollen ihn zähmen.
Aber das geht nicht.
Denn er ist Gott und ist wie der Wind, der weht, wo er will.
Er ist die Kraft Gottes, der uns Trost gibt und auch die Kraft, vorwärts zu gehen."

Aber genau dieses "vorwärts gehen", das sei für uns so anstrengend, meint der Papst.
Und damit hat er Recht!

Die Bequemlichkeit - auch die Bequemlichkeit im Glauben, ja nicht groß nachdenken zu müssen,
alles so zu belassen, wie wir es von früher her kennen -
diese Bequemlichkeit gefällt uns viel besser.

Ein Beispiel:
aus unterschiedlichen Gründen haben wir in der letzten Zeit auf die sonntägliche Eucharistiefeier verzichtet.

Das kann man bedauern und es ist auch wirklich schade;
unverständlich ist mir aber die Haltung, von der ich in unserer Gemeinde gehört habe,
dass ein Wortgottesdienst gar kein richtiger Gottesdienst sei!

Ja, was soll es denn sonst sein?
Was macht denn einen „richtigen“ Gottesdienst aus?

Glaubt jemand im Ernst, dass eine Eucharistiefeier, bei der ich mit meinen Gedanken ganz woanders bin mich Gott näher bringt
als ein Wortgottesdienst, bei dem ich bewusst auf Gottes Wort höre, mit anderen Bete und darüber nachdenke?

Das mag nur ein kleines Beispiel sein,
aber ich finde es zeigt ganz treffend, wie leicht wir an alten und gewohnten Vorstellungen festhalten,
Vorstellungen, die in diesem Fall das zweite Vat. Konz. schon vor 60 Jahren zu den Akten gelegt hat.

Wo wirkt da in uns der Geist, der antreibt,
der uns mit neuen Herausforderungen wachsen lässt?

Wir glauben schon, dass der Geist unter uns anwesend ist. Das bekennen wir am Pfingstfest.
Aber damit sind wir im Grunde auch schon zufrieden.
Mehr erwarten viele von diesem Geist nicht.

Wie würde es weitergehen, mit seiner Botschaft, die sie so tief berührt hatte,
die Gedanken der Bergpredigt,
die Arbeiter im Weinberg,
das absolute Gebot der Liebe.
Wie konnte all das weitergeführt werden, zu den Menschen, so dass es die Welt verändert?

Und das macht der Papst gerade am Konzil deutlich, das er als großartiges Werk des Heiligen Geistes bezeichnet.

Und heute, nach 60 Jahren, was ist daraus geworden?

Papst Franziskus fragt:
"Haben wir all das getan, was uns der Heilige Geist im Konzil gesagt hat?
In der Kontinuität und im Wachstum der Kirche, ist da das Konzil zu spüren gewesen?

Nein, im Gegenteil“,
lautet seine ernüchternde Antwort,
"es scheint, dass wir dem Konzil ein Denkmal bauen,
aber eines, das nicht unbequem ist, das uns nicht stört.
Wir wollen uns nicht verändern und es gibt sogar ... Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück:
Das ist dickköpfig, das ist der Versuch, den Heiligen Geist zu zähmen.
So bekommt man törichte und lahme Herzen."

Sage nicht ich, sagt unser Papst. Und ich fürchte, dass er weiß, wovon er spricht …

Lassen Sie uns gemeinsam um den Heiligen Geist und um Offenheit für sein Wirken beten.
Wir beten mit den Worten, die schon vor 60 Jahren die Konzilsväter um diesen Geist gebetet haben:

 

Gebet um den Hl. Geist

Heiliger Geist, sei uns zugegen,
ergiesse Dich mit Deiner Gnade in unsere Herzen.
Lehre uns, was wir tun sollen,
zeige uns, was wir denken sollen,
zeige uns, was wir wirken müssen.
Der Du die Wahrheit über alles liebst, lass nicht zu, dass wir durcheinander bringen, was Du geordnet hast.
Unwissenheit möge uns nicht irreleiten,
Beifall uns nicht verführen,
Bestechlichkeit und falsche Rücksichten mögen uns nicht verderben.
In Dir lass uns sein und in nichts abweichen vom Wahren.
Amen.

Aus dem Gebet der Konzilsväter, 1962