5. Sonntag im Jahreskreis, 7.2.2021 - Predigtgedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

bevor ich auf die Aspekte des Evangeliums eingehe, die das Leben von uns allen betreffen,
gestatten Sie mir eine Vorbemerkung:

Wenn schon Petrus, nach katholischer Tradition der erste der Päpste, eine Schwiegermutter hatte,
wie kann man dann noch ernsthaft der Meinung sein,
dass Jesus so etwas wie einen Pflichtzölibat gewollt hätte?

Punkt.
Mehr möchte ich an dieser Stelle dazu nicht sagen,
es ist mir wichtiger auf das hinzuweisen,
was die Handlungsweise Jesu im heutigen Evangelium für uns alle zu sagen hat:

 

Jesus heilt viele, hören wir.
Er treibt viele Dämonen aus.
Die ganze Stadt läuft zusammen.

Da irgendwann muss Jesus gemerkt haben, dass etwas aus dem Ruder läuft.
Wenn er so weiter macht,
wird er nur noch als Wunderheiler wahrgenommen -
und er wird seine ganze Zeit und Kraft damit verbringen,
Massen von Patienten zu heilen.

Das wäre natürlich eine wichtige Aufgabe,
und sinnvolle Tätigkeit.
Für jeden Arzt ist das die Lebensaufgabe.

Aber Jesus spürt:
Das ist nicht MEIN Weg.
Gott will mehr von mir,
alle Heilungen stehen im Dienst eines größeren Auftrages -
und den gilt es zu erfüllen,
sonst läuft mein Leben in die Sackgasse.

 

Jeder von uns, der erwachsen ist, kennt das sicher:
die Frage nach Maß und Ziel,
nach Sinn und Erfüllung in unserem Leben.

 

Verwende ich meine Kräfte und meine Zeit wirklich für das, was mir wichtig ist?
Sind die Ziele, die ich im Leben habe sinnvoll und nachhaltig,
in dem Sinn,
dass sie mich auf Dauer motivieren können,
dass ich das Gefühl habe, dass es sich lohnt, dafür zu leben?

 

Oder komme ich mir manchmal vor, wie der Hamster im Rad,
der bei maximaler Drehzahl und Anstrengung nichts erreicht?
Jedenfalls nichts, was den Einsatz lohnt?

 

Mir kommt es so vor, als sei Jesus auch an diesen Punkt gekommen.

Und es lohnt sich für uns auf drei Dinge zu schauen, die er dann tut:

 

1. Er nimmt sich eine Auszeit,
selbst da - oder: gerade da - wo ihm die Arbeit über den Kopf zu wachsen droht.
Wo wir normalerweise sagen würden: Jetzt geht es aber wirklich nicht!
Gerade da lässt er alles stehen und liegen und zieht sich zurück.

Und er macht das offenbar, weil er weiß, dass es anders gar nicht geht.
Wer zu lange auf Hochtouren läuft, läuft über kurz oder lang gar nicht mehr,
weil er dann nämlich auf der Nase liegt.

Und wer in eine Sackgasse geraten ist, der kann sich nicht retten, indem er Gas gibt.

Jesus nimmt sich die Auszeit und er nutzt sie!

Und das ist das Zweite, was wir heute mitnehmen können:

Er nutzt sie, um sich wieder neu zu orientieren,
um zu prüfen,
und vor lauter Tätigkeiten,
die für sich genommen alle richtig und wichtig sind,
das eigentliche Ziel aus dem Blick verloren hat.

 

Und dann macht Jesus etwas,
was eigentlich selbstverständlich sein sollte,
was aber leider Gottes in aller Regel die Ausnahme ist:

Er zieht aus seiner Einsicht tatsächlich die Konsequenz.

Er orientiert sich neu,
und setzt das um, was er erkannt hat.

Das ist bemerkenswert, denn häufig läuft es ganz anders -

An den Einsichten mangelt es meistens nicht.
Sie werden nur nicht umgesetzt.

Das gilt im Übrigen im gesellschaftlichen Bereich
wie im Privatleben
und genauso für unsere Kirche.

Denn manchmal verhindert da auch falsch verstandene Frömmigkeit und ein fehlgeleitetes Verständnis von Tradition
dass man wirklich tut,
was man eigentlich längst erkannt hat.

Siehe Schwiegermutter des Petrus.

Da wissen die Verantwortlichen in unserer Kirche genau, dass wir in der veränderten gesellschaftlichen Situation heute vor allem Nähe und Beziehung brauchen.
Und als Reaktion darauf vergrößern wir die Seelsorgeeinheiten immer weiter
und schaffen immer unpersönlichere Gebilde.

Da wissen wir, dass der direkte Kontakt zu den Menschen das A und O der Pastoral ist.
Und da lassen Kirchenleitungen zu, dass Pfarrer immer mehr zu Managern verkommen.

Wenn man aber schon zulässt,
dass Pfarrer immer weiter weg von den Leuten vor Ort sind,
dann muss man wenigstens so konsequent sein,
all denen, die dann vor Ort die Seelsorge übernehmen
und dem Gemeindeleben vorstehen,
die also im Sinn der Apostelgeschichte Presbyter sind,
dann muss man die auch zu Priestern weihen.

Ebenso wie man den Diakonen, die für die Krankenseelsorge zuständig sind,
die Vollmacht geben müsste das Sakrament zu spenden, das die Kirche für die Kranken vorsieht - nämlich die Krankensalbung.

Das wäre nur konsequent!

 

Ruhig zu werden ist wichtig,
die Arbeit zu reflektieren
und die Ziele wieder neu in den Blick zu nehmen.

Daraus dann aber keine Konsequenzen zu ziehen,
keine Kurskorrektur vorzunehmen,
das ist auf Dauer der direkte Weg in den Untergang.

Es sind drei Dinge,
die uns Jesus im heutigen Evangelium mit auf den Weg gibt.
Innezuhalten,
das Ziel neu in den Blick zu nehmen
und die nötigen Konsequenzen daraus auch wirklich zu ziehen.

Er hat es getan.

Nur wenn wir es auch tun, werden wir in der Lage sein, ihm nachzufolgen.

Amen.