14. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

05.07.2020 - 14. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

Wenn auch einiges in diesem heutigen Evangelium vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu verstehen sein mag:
eines spricht denke ich alle gleich an, nämlich wenn Jesus sagt:

„Ich werde euch Ruhe verschaffen“.

Dieses Wort aus seinem Mund klingt irgendwie wohltuend und verheissungsvoll,
vielleicht auch deshalb,
weil wir da als gestresste und gehetzte Zeitgenossen die Anziehungskraft eines ganz anderen Lebens spüren können:
Nämlich ohne permanente Anstrengung,
ohne dass wir irgend ein Image aufrechterhalten und den anderen etwas vorspielen müssen.

Ohne den geheimen Zwang, ständig groß und stark,
beliebt und bedeutend,
kompetent und erfolgreich zu sein.

Einfach mal nur in Ruhe und Gelassenheit da-sein können!…

Nun, manche von uns hatten jetzt wegen Corona vielleicht mehr Ruhe als sonst -
aber selbst das hat nach meiner Beobachtung niemanden wirklich zur inneren Ruhe finden lassen.

Und für die von der Pandemie gestressten, den Eltern und Pädagogen,
den kleinen Geschäftsleuten und vielen Angestellten,
für die gilt erst Recht:

Dem ständigen Lärm der Zeit entfliehen und zur Stille finden, - bleibt ein Wunsch, der sich scheinbar nicht erfüllen lässt.

Sogar jetzt, am Beginn der Ferien zweifle ich daran, dass viele von uns es tatsächlich schaffen, in den Ferien,
Im Urlaub zur Ruhe zu kommen.

Das liegt auch daran, dass wir oft die wirkliche Stille vermeiden, weil sie uns nervös machen kann.

Der bekannte Psychoanalytiker C.G. Jung trifft in einem Brief haarscharf unser zwiespältiges Verhältnis zur Stille und zum Lärm.

Er schreibt über dieses Phänomen:

„Der Lärm gibt uns ein Sicherheitsgefühl, er schützt uns vor peinlichem Nachdenken, er zerstreut ängstliche Träume... Die Stille würde den Menschen zum Nachdenken veranlassen, und es ist gar nicht auszudenken, was einem dann alles zum Bewusstsein käme.
Die meisten Menschen fürchten die Stille, darum muss immer irgendetwas getan, muss gepfiffen, gesungen, gehustet oder gemurmelt werden. (Meine Versuche mit Stille im Gottesdienst)
In der wohl nicht zu Unrecht so genannten Totenstille wird es uns unheimlich,
was wir dabei aber am meisten fürchten, ist das, was aus unserem eigenen Inneren hervorkommen könnte: all das eben, was wir uns durch den Lärm vom Halse halten....“

Dass da wirklich was dran ist, lässt sich nicht leugnen:

Denken wir nur an all die Leute, bei denen selbst die Freizeit zum Stress wird,

weil sie nicht mehr das beherrschen, was Hermann Hesse einmal die „Kunst des Müßiggangs“ genannt hat.

Da wird selbst der Urlaub mit Aktivitäten, Eindrücken und Reisekilometern so voll gepackt,
dass Ruhe und Entspannung keine Chance haben!

Ganz so einfach ist es offenbar nicht, zur Ruhe zu kommen...

Und mancher sieht ja sogar das religiöse Leben vor allem als eine Leistung an.

Ganz ähnlich wie die Pharisäer und die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu.

Sie, die vermeintlich Klugen und Weisen, versprechen den Menschen einen Weg zu Gott,
allerdings nur denen, die auch fähig sind, das mosaische Gesetz mit seinen sage und schreibe 613 Einzelgeboten aufs genaueste halten...

Nur wer Leistung bringt, ist willkommen - sogar bei Gott ist das so!

Aber: Leistungsdenken ist gerade dann, wenn es um unser Glaubensleben geht, völlig fehl am Platz!

Und ausgerechnet Jesus selber, zeigt uns die Alternative schlechthin zum religiösen Leistungsdenken.

Er ist der große Freund derer, die sich abmühen und plagen, die zusammenbrechen und scheitern,
und die oftmals gar nicht mehr fähig sind, irgendwas zu leisten.

Ein Freund der Ausgedörrten,
der vergeblich Bemühten,
der Erschöpften und Überlasteten.
In ihm begegnen wir einem, der sich, ohne irgendeine Vorleistung zu verlangen, all denen zuwendet,
die mit der Last ihres Lebens nicht mehr fertig werden.

Und er blickt nicht hochmütig auf sie herab, sondern ruft ihnen zu: „Kommt mit allem, was euch bedrückt, zu mir!“

ich selber bin der Ausweg,
Ich schenke euch die Ruhe des Herzens.
Wer in meine Nähe kommt, kann wieder durchatmen,
der kann seine Last abwerfen!“

Die Botschaft Jesu, liebe Mitchristen, drückt nicht nieder, sie richtet auf..., - eine gute Nachricht, damals wie heute.

„Und ich danke dir, dass du das den Unmündigen offenbart hast“, sagt Jesus.

Auch das gilt sicher auch heute noch!

Denn wie das geht, sich von Jesus für das eigene Leben etwas abzuschauen,
das entdecken immer zuallererst die einfachen Leute,
die nicht in erster Linie oder gar ausschließlich mit dem Kopf arbeiten,
sondern die mit ihrem Herzen sehen. (Bertrams Hausfrauenbibelkreis)

Beim heiligen Franz von Sales habe ich ein interessantes Bild gefunden,
das gut beschreibt, was es bedeutet,
sich ganz als Kind Gottes zu fühlen mit der Sicherheit, überall ein Zuhause zu haben,
wo immer man auch sein mag:

„Mache es“, so schreibt Franz von Sales“, mache es so wie die kleinen Kinder: mit einer Hand halten sie sich an ihrem Vater fest und mit der anderen pflücken sie Erdbeeren oder Brombeeren am Waldrand.

Halte du dich ebenso mit der einen Hand stets an deinem Vater im Himmel fest, während du mit der anderen Hand das sammelst, was du zum Leben brauchst.

Wende dich Gott von Zeit zu Zeit zu, um zu sehen, ob es ihm recht ist, was du tust und wie du es machst!

Und achte bei all deinen Geschäften gut darauf, dass du nicht seine Hand loslässt und seinen Schutz verlierst, nur weil du meinst, dann vielleicht mehr zusammenraffen und einsammeln zu können.“

Liebe Schwestern und Brüder!

Sich plagen und die Lasten des Alltags tragen heisst: Menschsein.

heisst so manches mal auch leiden,
die Schnauze voll haben,
nicht mehr wollen und nicht mehr können,

heißt schwach sein und angewiesen sein auf Gott,
heißt manchmal sogar: völlig am Ende sein.

Aber vielleicht ist das ja unter Umständen gar nicht das Schlechteste, am Ende zu sein.

Denn gerade an einem solchen Ende könnte durchaus Gott schon warten, um etwas ganz Neues mit uns zu beginnen...

Amen.

 

Alle, die wegen Corona zu Hause geblieben sind grüße ich sehr herzlich und danke Ihnen für die Verbundenheit,

Ihr

Br. Martin Kleespies, Pfr.

13. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

28.06.2020 - 13. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

"Seine Leistungen waren stets mittelmäßig!"
solch ein Satz in einem Arbeitszeugnis - und die Jobsuche für die nächste Stelle wäre sicher nicht so einfach.

Mittelmäßig - das ist ja schon fast so etwas wie ein Schimpfwort.
Wollten Sie mittelmäßig sein?

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12. Sonntag im Jahreskreis - Predigt

21.06.2020 - 12. Sonntag im Jahreskreis - Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

Von Madeleine Delbrêl stammt ein kleines Gedicht über das menschliche Herz,
es trägt den Titel „IN JEDEM MENSCHEN“

und es lautet:

Dass das menschliche Herz
überall das gleiche ist:
in der Vielfalt der Stämme und Nationen,
in jedem Menschen,
ganz gleich,
welche Erde seinen Leib gebildet,
seine Sinne geformt,
sein Temperament gestaltet
und seinen Geist geprägt hat.

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Predigt am Erlensee 2020

Evangelium und Predigt beim Ökumenischen Gottesdienst am Erlensee
am 14.06.2020
Veranstalter: CiB (Christen in Bickenbach)

Liebe Gemeindemitglieder,
da ich für den diesjährigen Gottesdienst am Erlensee als Prediger angefragt war, finden Sie diese Woche nicht die Predigt zum aktuellen Sonntag im Jahreskreis, sondern zum Thema des Gottesdienstes: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

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Predigtgedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

7.6.2020 - Dreifaltigkeitssonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

ich hoffe, dass alle jetzt gut zugehört haben:
Im Evangelium räumt Jesus selbst auf mit dem uralten Bild vom strengen Richter aller Sünden, von dem noch vor wenigen Jahrzehnten immer wieder die Rede war.

Gott sieht alles - wurde so zu etwas das nicht tröstet, es war mehr eine dezente Drohung.

Wie sagt Jesus: Er ist nicht in die Welt gesandt, um die Welt zu richten.
Er ist nicht gesandt um abzuurteilen.
Er will retten - nicht vernichten.
Er will das Leben - nicht den Tod.
Und er will deshalb auch den Himmel - und nicht die Hölle.

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