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Einheitsübersetzung alt - neu , ein Vergleich

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BIBELÜBERSETZUNG für die LITURGIE der KATHOLISCHEN KIRCHE

- frühere und neue Ausgabe –

Versuch eines Vergleichs

 

In unserem letzten Pfarrbrief haben wir schon einiges über die Entstehung der Einheitsübersetzung von 1979, die lateinische Vulgata und über die uns vertraute Übersetzung erfahren. Mit der neuen Einheitsübersetzung, die zukünftig in Gottesdiensten und Katechese verwendet wird, liegt uns eine Revision der früheren Fassung vor. Auch darin begegnet uns viel vertrautes. Jedoch bringt die neue Einheitsübersetzung Fortschritt an Genauigkeit, Texttreue und Verständlichkeit.

Dabei war es nicht leicht, einen Text, der ursprünglich auf Hebräisch verfasst wurde in eine andere Sprache zu übertragen, denn die Übersetzung muss dabei der Sinnzusammenhänge und Bedeutung der Ursprungssprache gerecht werden, die oftmals befremden und falsch verstanden werden kann. So muss jederzeit die Bemühung vorhanden sein, eine zeitgemäße Überarbeitung vorzunehmen.

Dies wird etwa bei den neutestamentlichen Briefen deutlich, wo die Anrede des Paulus von „Brüder“ durch „Brüder und Schwestern“ zu ersetzen war. Ebenso verwendet die Revision für den Namen Gottes durchgehend die Bezeichnung „HERR“. Die Fassung lautet jetzt: „Höre Israel, der Herr, unser Gott, der HERR ist einzig.“ In der früheren Übersetzung bestanden kleine Missverständnisse. Bei der Geschichte vom Blindgeborenen heißt es jetzt: „Er konnte sehen“, nicht mehr: „Er konnte wieder sehen.“ Aus dem blonden DAVID wird ein rothaariger und das gebräuchliche Wort „betroffen sein“ wird durch das sachgerechte „voll Staunen“ ersetzt.

Auch bei den Psalm-Texten wurden manche Formulierungen der hebräischen Sprache angepasst. Früher hieß es: „Er stillt mein Verlangen“, jetzt: „Meine Lebenskraft bringt er zurück.“ Gottes Fürsorge stellt nicht ruhig, sondern schenkt Vitalität, Kreativität und Eigeninitiative.

In der Revision wird die Intension des Johannes unterstrichen, Jesus das Kreuz selbst tragen zu lassen. Deshalb heißt es: „Er selbst trug das Kreuz und ging hinauf.“

Beim Besuch von Jesus bei Maria und Martha im Haus des Lazarus schreibt Lukas nach der alten Übersetzung: „Maria hat das Bessere erwählt.“ Jetzt heißt es: „Maria hat den guten Teil erwählt.“

Die auffälligste Veränderung in der neuen Einheitsübersetzung ist, wie bereits schon erwähnt, dass Gott nicht mehr als „JAHWE“ , sondern als „HERR“ bezeichnet wird. Damit wurde der jüdischen Tradition Rechnung getragen, da im Judentum der Name Gottes nicht ausgesprochen werden darf. Dort gibt es nur zwei Begriffe, mit denen der Name Gottes genannt wird, einmal mit „ADONAI-HERR“, zum anderen mit „HaSchem“ einfach nur mit „Der Name“.Für das christliche Gottesbild ändert sich dadurch nichts. In der Bibel gibt es auch kein einheitliches Gottesbild, denn dort begegnet man Gott mit ganz menschlichen Vorstellungen: Gott liebt, Gott hasst, Gott zürnt, ist erregt, hat Mitleid. Es gibt auch unbelebte Gottesbilder: Gott ist wie ein Fels oder wie ein Schild. Wir begegnen ihm auch durch Bilder aus der Tierwelt: Gott als Bärin, oder als Adler, der einem auf den Flügeln trägt.

Bei der Diskussion über die neue Einheitsausgabe spielten Fragen eine Rolle, die die Menschen heute religiös bewegen: Die Stellung der Frau – Existenz von Frauen als „Apostelin“ und „Diakonin“ oder die Jungfrauengeburt. Maria und Elisabeth „empfangen“ kein Kind, sondern sie werden „schwanger“, ganz menschlich. Die Jungfrau wird zur jungen Frau, wie es bereits im hebräischen Urtext heißt. Bei Jesaja heißt es: „ Eine junge Frau hat ein Kind empfangen“, in der Vergangenheitsform. Die Christen bezogen sich bei ihrer Vorstellung und Formulierung auf den griechischen Text und verwenden die Zukunftsform: „Die Jungfrau wird ein Kind empfangen“.

Den biblischen Fachleuten war auch wichtig, einige Bilder und Sprachspiele wieder herzustellen, die bei der früheren Übersetzung aufgegeben wurden. Heute lesen wir z.B. in der Genesis „den Bund aufrichten“ anstatt den „Bund schließen“. In der vorherigen Bibelausgabe hieß es bei den Sprichwörtern: „Der Freund erweist zu jeder Zeit Liebe, als Bruder für die Not ist er geboren“, in der neuen Ausgabe lesen wir: „Der Freund erweist zu jeder Zeit Liebe, der Bruder ist für die Not geboren.“Bei Lukas hieß ein früherer Text: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist“. In der Revision lautet er: „Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor.“

Die Vorstellung , die katholische Kirche könne sich bei Bibelübersetzungen nicht mehr am hebräischen Urtext orientieren, rief zunächst im Bereich der ÖKUMENE Irritation hervor. Die VULGATA bleibt zwar die offizielle Bibel der römischen Kirche. Jedoch werden auch zukünftig in unserer Kirche Übersetzungen aus dem Urtext erstellt. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass mit gegenseitigem Einverständnis der Kirchen für gemeinsame Gottesdienste und Veranstaltungen die neue Einheitsübersetzung verwendet wird.

Bedeutungsvoll für den jüdisch - christlichen Dialog ist die Neuübersetzung des griechischen Wortes „APOBOLE“ im Römerbrief, das mit „Zurechtweisung“ im Gegensatz zu „Verwerfung“ gebraucht wird. Es heißt jetzt: „Denn wenn schon ihre (Israels) 'Zurechtweisung' für die Welt Versöhnung bedeutet, was wird dann ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?“

Zehn Jahre hat die Arbeit von 70 Fachleuten gedauert, bis die neue, an die Zeit angepasste Einheitsübersetzung vorgestellt werden konnte. Es wäre sinnvoll und wünschenswert, würden sich viele Gemeindemitglieder für die Anschaffung der neuen Bibelausgabe entscheiden, um dem Urtext auf diese Weise besser zu begegnen.

Ulla Becker

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